EIN KÜRBIS VOLL ASCHE     

       Zitatensammlung zum Thema Schöpfung und Apokalypse anläßlich des 50. Jahrestages des Atombombenabwurfs auf Hiroshima

 

Warum Kunst ?   

Kunst sehen, konsumieren ist etwas anderes, als Kunst befragen. Wir haben uns daran gewöhnt, daß Kunst gleichbedeutend ist mit Kunstwerk. Aus Werken werden Produkte. Produkte müssen gefallen, anwendbar sein, sonst erfüllt sich nicht ihr Zweck. Und die Kunst? Produkte sind Ware.

Es gibt eine Nachfrage - auch nach Werken der Kunst. Aber gibt es eine Nachfrage nach der Kunst selbst? Von der Kunst wird mehr erwartet. Was aber macht die Kunst zur Kunst? Ihr Sinn schließt ein, was ausgeschlossen werden soll: Funktion, Täuschung, Abweg. Und das macht es nicht eben weniger kompliziert. Daß wir Kunst (Werke) besitzen, ist unerheblich. Kunst fordert, läßt alle Deutungen offen, das ist ihr Spektrum. Kunst ist Selbst-Bejahung. Grundlage für die Unersetzbarkeit des Einzelnen, Eigenart und Verhalten. Bis heute ist sie ein Surrogat geblieben. Ersatzhandlung für zweckrationale Ereignishaftigkeit als gesellschaftlicher Mehrwert oder extrovertiertes Eigeninteresse.

Kunst soll hier Besonderes leisten und erfüllen. Die Wirkung bleibt nicht aus. Kunst wird verfügbar. Standardisiert, machbar, gleichförmig, uniform. Warum Kunst? Dagegen stehen ihre vielfältigen Herkunftstraditionen. Versinken, zögern, anhalten: Kunst kann nur als Bruchstelle, als Potential multipler Identitäten wahrgenommen werden. Nur hier, wo sie bricht, wo es Brüche gibt, zeigen sich die Dinge. Nur hier zeigen sich die Dinge, wie sie wirklich sind. An der Schnittstelle zwischen Erinnerung und Erwartung beginnen wir wahrzunehmen. Was bleibt?

Kunst muß Projekte schaffen. Der Impuls, der von ihr ausgeht, heißt zusammenwirken. Erst im Zusammenwirken - Projekt - lassen sich die Dinge realisieren und verständlich machen. Zusammenwirken heißt kommunizieren. Kommunikation ist Kunst.

Kunst bedeutet, mit allen kommunizieren zu können.

 

Katrin Zschirnt Im Juli 1995

 

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