- Die Kunst mit einem Label zu operieren -

 

"Wenn Illusionen und Wunschträume durch die Werbung erweckt werden, welche sich weder erfüllen lassen noch auch den Sinn des Lebens zu begründen vermögen, oder wenn bestimmte Sachwerte fälschlich idealisiert und außerordentliche Versprechungen an sie geknüpft werden, wird der Mensch, sein Denken und sein Handeln, noch mehr und noch tiefer von den Dingen abhängig. Es kommt zu einer "Dingbesessenheit" des Menschen, zur Versklavung unter den Mammongeist. So wird der Mensch geformt, welcher meint, sich alles leisten zu können, und der alles von der Erhöhung des Lebensstandards erwartet. Dieser Mensch verfällt der Masslosigkeit und Grenzenlosigkeit. Die Werbung verhindert dann geradezu, daß der Mensch zu sich selbst kommt. Die Folge davon ist, daß der Mensch sich selbst verliert, sein individuelles persönliches Menschengesicht preisgibt und so selbst zur "Dutzendware" wird."

(W. Künneth -1957)

Nichts ist von Dauer. Selbst Zeichen, die für uns schon fast als Zeichen der Ewigkeit stehen und kaum fortzudenken sind aus unserem Leben, wie z.B. "Coca-Cola", werden irgendwann wieder dorthin verschwinden, wo sie vor Ihrem Auftauchen schlummerten: In das endlose Reservoir der nicht-realisierten Möglichkeiten.

Das Hakenkreuz ist ebenso verschwunden wie Hammer und Sichel. Die großen Führer der Ideale, für die diese Zeichen standen, leben schon längst nicht mehr. Was bleibt, sind Erinnerungen. Hüllen als Dokumente eines Zustandes, der noch vor sehr wenigen Jahren vorherrschte. Alle Systeme scheinen sich inzwischen selbst geschlagen zu haben: In dem bösen Spiel das sie waren. Sie gaben sich ihr eigenes K.O. ...und eigentlich sollte man meinen, wir stehen wie nach einer tosenden Party in einem riesigen Saal . Alle Türen sind weit offen, in alle Richtungen und wir können gehen, wohin wir wollen.

Ganz genauso ist es auch, doch vor dem Verlassen des "alten Hauses" sind wir erst noch eifrig dabei, zu analysieren, was denn brauchbar war an unserem Gebäude. Es handelt sich darum, den "gemessenen Schritt" zu finden, um unseren Saal verlassen zu können, ohne gleich wieder ins Stolpern zu kommen.

       

Dabei geht es in erster Linie nicht um technische oder wirtschaftliche Probleme, sondern um die Kultur als solche. Kultur, die sich in einem geistigen Zusammenwachsen formuliert – diesem also entspricht: denn auch politische Systeme können das gesellschaftliche Zusammenleben nicht wirklich gestalten. Leben die Menschen in Gegensatz und Entfremdung, so läßt sich ein großes, gemeinsames Werk dieser Art nur schwerlich realisieren. Doch gerade der Gegensatz, der im Allgemeinen als Hemmung gewertet wird, hat als polarer Gegensatz innerhalb eines umfassenden Ganzen auch seine guten und wichtigen Funktionen. Dies gilt es zu erkennen, denn die Gegensätze zwischen Himmel und Erde, Geist und Natur, Mann und Frau, bewirken durch ihren Ausgleich die Schöpfung und Fortpflanzung des Lebens.

Die entscheidende Hilfe, ein derartiges Verständnis wiederzuentdecken, muß und kann nur durch die Kunst gegeben werden. Nur sie kann uns ein wirkliches Verständnis von Dauer vermitteln. Von Dauer, als einem Zustand, dessen Bewegung sich nicht durch Hemmungen aufreibt: Kunst als das Erlebnis hell wachen Lebendigseins, als das den Dingen innewohnende Ewige. Als eine in sich geschlossene und darum sich stets erneuernde, nach festen Gesetzen vollziehende Bewegung eines organisierten, in sich fest geschlossenem Ganzen, bei der auf jedes Ende ein neuer Anfang folgt.

             

Darüber hinaus ist es nur der Kunst möglich, Wertvorstellungen zu abstrahieren und damit dem physischen Bereich zu entheben. Sie hilft uns zu erkennen, daß jede einzelne Wertvorstellung nichts weiter ist, als eine Masche im Strickwerk der Gesamtillusion. Nicht nur mein Standpunkt und der eines Anderen formen Teil eines Bildes, sondern ebenfalls der Gegensatz. Nur mit diesem Verständnis können wir unseren Saal „gemessenen Schrittes" verlassen, ohne gleich wieder ins Stolpern zu kommen.

Also wurde " HOHN - pur" geboren, als das Label für eben dieses geistige Erlebnis: Als geistiges Kind unserer Zeit und als Label des Gegensatzes als solchen.

Arbeiteten seit Beginn des 20. Jahrhunderts viele Künstler im Bereich einer Wechselbeziehung zwischen Werbung und Kunst, so haben sich hier Kunst und Werbung in einem vereinheitlichten Feld getroffen. Die Kunst wird nicht zum Sklaven der Werbung und die Werbung wird nicht durch die Kunst verzerrt. Die Grenzen verschwinden. Dieses Feld ist identisch mit dem Saal, in dem wir uns befinden. Haben wir ihn verlassen, wird auch dieses Kunstwerk, dieses Zeichen, als Hülle eines Zustandes, der vorherrschte, zurückbleiben ...

... als Dokument unserer Zeit.

     

 

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